Galerie Schlichtenmaier

Cornelia Schleime – In der Ferne fängt die Welt erst an

Das Leben Cornelia Schleimes (geb. 1953) verlief nicht geradlinig. Zum einen wurde sie von ihrer Ost-Vita geprägt, die im Gegensatz zur systemkonformen Entwicklung nicht nur zu einem widerspenstigen Geist und in dieser Gesinnung zur Ausreise in den Westen Deutschlands führte. Während große Teile des Frühwerks verloren gingen, entfaltete sie ein so grandioses wie unvergleichliches Werk, das einerseits in einer drastischen, durch verschiedene Lacke geradezu angegriffene, zuweilen auch monumentalen Malerei, zum anderen in märchenhaft zarten und mythisch überhöhten Aquarellen gipfelt. Noch unter dem DDR-Regime musste sie zwangsweise als Frisörin und als Pferdepflegerin arbeiten, was motivlich wiederkehrt in kunstvoll gestalteten Haar-Inszenierungen sowie in Darstellungen von Pferden, oft in Gestalt einer Kentaurin. Darüber hinaus können wir uns den Blicken der Protagonist*innen kaum entziehen, deren Erscheinungsbild mal lasziv weiblich, mal magisch androgyn und ab und zu männlich-herb wirkt, ohne dass die Grenzen dazwischen immer klar erkennbar sind. Ein charakteristischer Zug all ihrer Figuren ist die Melancholie, die auf einer tiefen Erkenntnis der Weltgefüge basiert. Als Vorlagen dienen meist Zeitschriften und Filmstills, doch so, wie schon eine Einzelbild-Auskopplung aus einer Filmerzählung eine verfremdete Momentaufnahme ergibt, erheben sich die Darstellungen über den Plot und auch über die Glamour-Fotografie der genannten Magazine hinaus zu allgemein gültigen Aussagen.